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Fussballgedanken

Hoeneß bald nicht mehr Bayern-Manager - ein längst überfälliger Schritt?

In wenigen Tagen geht die Ägide von Uli Hoeneß zu Ende. Am 27. November 2009, dem Tag der diesjährigen Jahreshauptversammlung, wird Ex-Profi Christian Nerlinger den Posten des Wurstfabrikanten als Manager des FC Bayern München übernehmen. Dennoch wird sich Hoeneß natürlich nicht wirklich aus der Spitze des über die Jahrzehnte erfolgreichsten deutschen Profi-Fußballclubs zurückziehen, sondern er übernimmt als Nachfolger des "Kaisers" die Präsidentschaft des Vereins, sofern er auf der Jahreshauptversammlung von den Mitgliedern auf diesen Posten gewählt wird. Dem Vernehmen nach wird Hoeneß auch den Chefsessel des Aufsichtsrates der FC Bayern München AG übernehmen, den bis dato ebenfalls noch Franz Beckenbauer inne hat.

Nun mag man die Frage stellen, ob diese Entwicklung angesichts der derzeitigen schwierigen Situation, in denen sich der FC Bayern befindet, zu begrüßen ist. Nicht selten hört und liest man dieser Tage von der Presse Fragen danach, ob Hoeneß vielleicht doch noch als Bayern-Manager weiter macht und den in diesem Job vergleichsweise unerfahrenen Nerlinger doch noch nicht ans Steuer lässt.

Ich hoffe nicht, dass es so kommt, sondern dass es beim Hoeneß-Rücktritt bleibt. Denn dieser Schritt ist meiner Meinung nach schon lange überfällig! Hoeneß hat ohne Zweifel über die Jahrzehnte hinweg große Verdienste für den Club erworben, aber die letzten Jahre - insbesondere die letzten beiden Jahre - haben meiner Meinung nach gezeigt, dass seine beste Zeit als Manager u.a. für den Sportlichen Bereich eines Fußballclubs schon lange hinter ihm liegt. Er lebt von seinen Erfolgen aus der Vergangenheit und ist meiner Ansicht nach schon länger nicht mehr in der Lage, die Zeichen der Zeit zu erkennen und darauf entsprechend zu reagieren.

Besonders deutlich wurde das insbesondere in diesem Jahr. Im Sommer, als viele - sowohl Experten als auch Fan-Gemeinschaften - die Erfordernis der Verpflichtung eines Spielmachers für den FC Bayern sahen und forderten, den Holländer Rafael van der Vaart nach München zu holen, wischte Hoeneß die diesbzgl. guten Ratschläge hinweg mit der Begründung, van der Vaart sei kein Mittelfeldspieler, sondern Stürmer. Das ist wohl eine in den Augen vieler Kenner der Szene, die über Jahre hinweg Woche für Woche die tollen Leistungen des Holländers als Spielmacher des HSV bewundern durften, ziemlich absurde und schwer nachvollziehbare Ansicht.

Auch die Art und Weise des Umgangs mit der absolut berechtigten Kritik von Philip Lahm an der Transferpolitik des FC Bayern in den letzten Jahren wurde von Hoeneß öffentlich nicht ernst genommen, zumindest setzte er sich damit nicht wirklich inhaltlich auseinander, sondern erklärte - natürlich ohne eine plausible Begründung zu nennen - einfach so, dass Lahm zu 90% Unrecht habe. Gut, man kann nachvollziehen, dass Hoeneß hier keine plausible Begründung nannte, denn dort, wo es keine solche gibt, kann man sie auch nicht nennen. Da den Bayern-Bossen als Reaktion auf die Lahm-Kritik nicht viel mehr einfiel als unbegründete Dementis und saftige Geldstrafen, muss man als Bayern-Fan wohl befürchten, dass diese Kritik ohne weitere Konsequenzen verpuffen wird. Das löst zwar keine Probleme, aber es ist offenbar für gewisse Leute die bequemste Vorgehensweise.

Schließlich sollte man noch auf den Umgang mit dem aktuellen Bayern-Trainer van Gaal schauen. Der wurde von Hoeneß & Co. im Sommer als erfahrener Fußball-Lehrer angepriesen, man wollte nach dem misslungenen Experiment Klinsmann einen namhafteren und erfolgreicheren Trainer holen und an alte Erfolge anknüpfen. Aber hat man diesem Trainer die nötige Unterstützung und Rückendeckung, die er benötigt, entgegengebracht? Nein, hat man leider nicht. Gerade in dieser Woche - vor dem wichtigen Spiel gegen Spitzenreiter Leverkusen - hatte Hoeneß leider nichts Besseres zu tun, als den Trainer öffentlich via "Bild" zu kritisieren und zu belehren. Selbst für den Fall, dass an dieser Trainer-Kritik inhaltlich partiell etwas dran sein sollte, ist diese Vorgehensweise meiner Meinung nach ein Ding der Unmöglichkeit, denn als Vereinsführung muss man dem Trainer in solch einer Situation volle Rückendeckung geben. Eigentlich wäre hier nun eine Geldstrafe für Hoeneß fällig, denn bekanntlich bekam Lahm selbige ja, weil öffentliche Kritik am Trainer bei den Bayern tabu sei.

Hoeneß gab darüber hinaus öffentlich zu Protokoll, welches System der FC Bayern spielten sollte, nämlich ein 4-4-2 mit zwei sog. Sechsern. Das habe man (angeblich) vor Saisonbeginn mit dem neuen Trainer so abgesprochen. Damit schiebt man dem Trainer öffentlich den "Schwarzen Peter" zu, denn dieser Trainer ließ ja bekanntlich lange ein 4-3-3 spielen, was auch in manchen Spielen gar nicht so schlecht aussah und angesichts der (relativ späten) Neuverpflichtung des Holländers Arjen Robben auch auf der Hand lag, wenn man auf der anderen Seite einen Ribery stürmen lassen kann. Leider hatte van Gaal dadurch, dass Robben erst sehr spät - nach Saisonbeginn - verpflichtet wurde, nicht die Möglichkeit, rechtzeitig ein geeignetes System zu finden und die Mannschaft gut darauf einzustellen.

Außerdem versäumten es Hoeneß & Co., wichtige Schwachstellen in der Mannschaft abzustellen. Es wurde insbesondere darauf verzichtet, einen Spielmacher wie van der Vaart zu holen, der für diverse Systeme wichtig gewesen wäre, und man holte auch keinen starken Rechtsverteidiger. Stattdessen hielt man an diversen sehr gut bezahlten Profis, die schon jahrelang keine berauschenden Leistungen mehr zeigen, fest, an Profis, die als Alternativen für die verletzungsbedingt ausfallenden Kreativspieler wie Ribery und Robben schlicht und einfach untauglich sind. Zu allem Überfluss hat man dann auch noch mehrere gute junge Eigengewächse ziehen lassen, die nun die Konkurrenz verstärken, zuletzt Hummels und Kroos.

Das alles wäre ja noch nicht so schlimm, wenn man wenigstens noch den Eindruck hätte, dass Hoeneß kritikfähig wäre und aus Fehlern der Vergangenheit lernen würde. Da aber leider immer die gleichen Fehler wiederholt werden und berechtigte Kritik wie die von Philip Lahm ziemlich dreist als "lächerlich" abgetan wird, gibt es leider keine Anzeichen auf Besserung.

Das alles bringt mich zu der Ansicht, dass der Wechsel auf dem Manager-Posten des FC Bayern keinen Tag zu früh stattfindet. Es steht allerdings zu befürchten, dass sich auch in Zukunft wenig zum Positiven hin ändern wird, denn zum einen fährt leider Bayern-Chef Rummenigge bekanntlich den gleichen Kurs wie Hoeneß, und zum anderen ist es zweifelhaft, dass Neu-Manager Christian Nerlinger schon jetzt ein ausreichendes Standing hat, um Fehler wie die seines Vergängers zu vermeiden...sofern er das überhaupt kann und will.

19:53 - 22.11.2009 - Schreibe einen Kommentar


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